Autor Thema: Die Karrierefrau  (Gelesen 1763 mal)

Erich Kykal

Die Karrierefrau
« am: Mai 26, 2019, 22:03:14 »
Dem Gesichte, das du ehrlich zeigtest,
warst du vor dem Kommenden abhold,
dem du süchtig deine Sinne neigtest,
so als wäre es das reinste Gold.

In die Zukunft war dein Blick gerichtet,
das Gewesene, das dich erschuf,
war zu minder, wurde umgedichtet,
und nach Höherem erklang dein Ruf.

Deine Stimme, einstmals hold und seiden,
bricht sich gierend nun an deinem Bann,
und die Freunde, die dein Drängen meiden,
schauen traurig deine Larve an.

Sie verlernen dich, wie eine Seele
gern vergessen will, was sie entstellt.
Dein Erinnern geistert durch die Säle
alter Schlösser, deren Raum verfällt.

Bist du mit der Maske noch zufrieden,
die du bautest, als die Tide stieg?
Unbedauert, einsam und gemieden,
und verbittert nur von jedem Sieg?
« Letzte Änderung: August 20, 2019, 12:36:17 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Die Karrierefrau
« Antwort #1 am: Mai 27, 2019, 12:39:00 »
Im Grunde ist es erstrebenswert, weil gerecht, dass Frauen mehr Führungspositionen besetzen. Aber der Weg dorthin, der den Menschen eigentlich vervollkommnen sollte, beschädigt ihn durch seine unmenschlichen Auswahlkriterien.

Sehr gut geschrieben, Erich, aber das Problem liegt tiefer.

LG gummibaum






Erich Kykal

Re: Die Karrierefrau
« Antwort #2 am: Mai 27, 2019, 19:59:08 »
Hi Gum!

Die inhärente Problematik ist mir klar. Hier wollte ich ja auch nur ein "Einzelschicksal" herausgreifen und beschreiben, das nicht unbedingt zur Verallgemeinerung gedacht ist.

Aber für beide Geschlechter gilt (und für Frauen sogar noch mehr, da sie immer noch "besser" sein müssen als der beste Mann, um erst genommen zu werden): Wer in Führungspositionen will, braucht Ellbogen. Das System bevorzugt rücksichtslose, unempathische Menschen, deren Egotrip es egal ist, wen sie für den eigenen Aufstieg nach unten knüppeln.
Nicht umsonst geht der Spruch: Wo sind alle Soziopathen und Psychopathen jeder beliebigen Gesellschaft? Nein, nicht im Knast, dort sind nur jene, die sich nie beherrschen konnten. Sie sitzen in den Führungsgremien von Politik, Wirtschaft, Unterwelt, Kirche und Militär!  ::)

Vielen Dank für das weitgehend positive Echo!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.