Autor Thema: Sterbender Sommer  (Gelesen 428 mal)

Erich Kykal

Sterbender Sommer
« am: September 20, 2025, 10:30:27 »
Im Unterwuchse gilben ein paar Blätter
als erstes Zeichen einer andern Zeit.
Noch spielt das Tagesblau den großen Retter,
doch kühle Schatten halten sich bereit.

Der frühe Morgen schmeckt bereits nach Erde,
darin schon modert, was vergehen muss,
wo ein 'Vergeh' schon stärker als ein 'Werde'
das Warme leugnet und der Sonne Kuss.

Die Luft verkühlt sich langsam, aber stetig,
und unter Bäumen bleibt es feucht und nass.
Die Ernte naht und hält den Menschen tätig,
wo Tage schrumpfen ohne Unterlass.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Sterbender Sommer
« Antwort #1 am: September 24, 2025, 10:19:07 »
Sehr schön, lieber Erich,

wie du an den Alterserscheinungen des Sommers das Nahen des jahreszeitlichen Wandels ausmachst. beschreibst. Die Symptome sind noch schwach, aber für den sensiblen Diagnostiker schon klar zu sehen, zu schmecken und zu fühlen. Als Gegengewicht zum Verfall bieten sich die reifen Früchte dar, aber nur kurze Zeit, so dass schnell geerntet werden muss. So ist der Mensch gefordert, um sein eigenes Leben zu bewahren.

Ein rundes und sprechendes Bild!
Sehr gern gelesen.
LG g

 

Erich Kykal

Re: Sterbender Sommer
« Antwort #2 am: September 25, 2025, 10:10:10 »
Hi Gum!

Wie jedes Jahr das obligatorische Herbstgedicht, weil die lyrische Aufarbeitung von Zerfall und Degeneration so viel Melancholisches hergibt und zu so vielen aktuellen Gleichnissen taugt. Fast schon ein Dichterklischee ...  ;) ::)

Diesmal habe ich mich solcher Gleichnisse enthalten, zumindest in diesem Gedicht, das nur beschreibt und in keine philosophische Conclusio mündet. Keine Gravitas, außer in den beschreibenden Bildern, ohne politische oder soziale Botschaft. Wozu auch - als könnte derlei den Irrsinn stoppen, mit dem Europa und der Rest der einstigen Herrenländer des Kalten Krieges sich sukzessive selbst vernichten.

Gemeinschaft macht mächtig - die ART der Gemeinschaft jedoch definiert uns als Edle oder Verderbte, als würdige, zivilisierte Kultur mit mitfühlenden Werten - oder als soziopathische, egomanisierte Hassgesellschaft mit aggressiver Politik anch innen wie außen.

Die Menschheit steuert auf einen weltweiten Winter der Herzen zu - was könnte ein Herbstgleichnis daran schon ändern? Also lass ich es diesmal.


LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.