Autor Thema: Längs der Straße  (Gelesen 99 mal)

gummibaum

Längs der Straße
« am: Januar 06, 2026, 23:34:36 »
Längs der Straße, in den Gärten,
wo ich hin schau, Weggefährten,
und damit man sie beneidet,
sind sie festlich weiß gekleidet.

Ich betrachte sie verstohlen.
Welch ein Blick in ihren Kohlen!
Wieviel Nasen, frisch und spitzig!
Und welch Lächeln, lieb und witzig!

Wohl geformt sind auch die Bäuche.
Wüsste ich nur ihre Bräuche!
Winken sie nicht mit den Besen?
Heißt das, ich bin auserlesen?

Niedrig sind die Gartenzäune,
und dahinter lockt die Scheune…
Doch ich gebe besser Pfeffer,
denn schon bellen hundert Kläffer…


Erich Kykal

Re: Längs der Straße
« Antwort #1 am: Januar 08, 2026, 11:18:51 »
Hi Gum!

Bravbürgerliche Winter-Vorgartenidylle vom Feinsten!

So perfekt geschrieben, dass der Leser nie weiß, ob das nun satierisch ist - oder das LyrIch einfach wirklich so einfältig ist. Nur die Conclusio mit den Kläffern lässt das naive Bild leicht ins Bizarre kippen - und das tut ihm gut!
Das ganze Gedicht ist ein symbolhaft verklausulierter Aufschrei wider die treudeutsche naiv-bürgerliche Fassade und das bewusste Ignorieren der Missstände, die hinter den braven Schneemännern lauern - versinnbildlicht durch die bösartigen 'rassereinen' Beller, die stupide ihr 'Revier' verteidigen, selbst gegen so ein naives Dummchen wie dieses LyrIch, das nichts kapiert.

S1Z2 - schreibt man 'hinschau' nicht immer noch zusammen? Jedenfalls sollte es so sein. Schaut ja schrecklich aus, so einsam auseinander - aber symptomatisch für diese Gesellschaft der politischen Kleinhäusler und Egoschweinchen, wie?

Oder liege ich da völlig daneben mit meiner Interpretation?

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Längs der Straße
« Antwort #2 am: Januar 09, 2026, 17:05:55 »
Lieber Erich,

vielen Dank für den schönen Kommentar, der eine zweite Bedeutungsebene in dem harmlos wirkenden Text zutage fördert.

Mein "hinschau" hatte das Korrekturprogramm solange moniert, bis ich es auseinanderriss.

Winterliche Grüße von gummibaum (durch Schneeschieben kreuzlahm)

« Letzte Änderung: Januar 10, 2026, 20:21:52 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Längs der Straße
« Antwort #3 am: Januar 10, 2026, 16:14:14 »
Dein Korrekturprogramm ist pervers! Oder bösartig! Oder gehässig.

Wahrscheinlich will es auch 'jederzeit' in 'jeder Zeit' trennen, 'sowieso' in 'so wie so' und 'unterdessen' in 'unter dessen'!

Lass dich nicht frotzeln - wir Menschen dürfen entscheiden, was uns lieber ist oder sich richtiger anfühlt!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.