Autor Thema: Zur Größe von Völkern  (Gelesen 189 mal)

Erich Kykal

Zur Größe von Völkern
« am: Oktober 09, 2026, 10:23:37 »
Amerika, die USA -
so groß das Land und seine Leute!
Doch Größe ist der Hybris Beute -
und keiner, der es kommen sah.

Auch Russland, dieses alte Reich -
zu neuer Größe reckt man sich
dort kriegerisch wie liederlich -
man schaltet wieder alles gleich.

Und China erst, das Reich der Mitte -
einst Mitte dieser ganzen Welt,
wird heute wieder neu bestellt -
und niemand sagt dazu dort: Bitte!

Es stimmt, dass Größe grausam macht -
ein Volk mit 'Sendung der Geschichte'
macht leichthin ringsumher zunichte,
was seine Freiheit noch bewacht.

Sie halten gern sich für die Guten
darin noch, wie erzürnte Kinder,
und raffen dabei doch nicht minder
als Mörder - lassen alle bluten,

die kleiner sich um Rechte mühen
auf internationaler Bühne.
Sie kennen weder Schuld noch Sühne -
nur Macht allein, für die sie glühen:

Ein 'großes' Volk, in aller Munde,
gerecht und stark in aller Welt!
Ein Volk, das sich für edel hält -
und doch nur eine offne Wunde.
« Letzte Änderung: Oktober 09, 2026, 10:29:46 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Zur Größe von Völkern
« Antwort #1 am: Oktober 28, 2026, 15:49:10 »
Lieber Erich,

eine gelungene Reflexion über die Völker, die einen Großmachtstatus anstreben und aufrechterhalten und dabei moralisch zur "Wunde" der Menschheit werden.

Mit Genuss gelesen.

Chapeau von g

(Aber wir verdanken solchen Völkern, wie man in der Rückschau z. B. auf die Römer sieht, auch kulturelle Leistungen.)
« Letzte Änderung: Oktober 28, 2026, 16:20:37 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Zur Größe von Völkern
« Antwort #2 am: Oktober 30, 2026, 08:52:31 »
Hi Gum!

Es ist ja nicht so, als verdankten wir friedfertigen, bescheidenen Völkern keine Neuerungen - die erobernden Völker der Weltgeschichte konnten die ihren nur rascher verbreiten, weil sie ihre Eroberten gar nicht erst gefragt haben, ob sie mit den Veränderungen einverstanden sind.

Zudem sollte man festhalten, dass viele 'Kulturleistungen' immer auch von älteren Völkern geklaut sind, und viele zeitnahe Kulturen sie gern als die ihren ausgeben. Funktioniert bei Religionen auch: Die allgemeinen 'Gebote' der aktuellen Gottheiten sind meist aus zig früheren Glaubenssystemen recyclet, einfach, weil sie das jederzeit notwendige Basissetting für das Funktionieren einer Gemeinschaft darstellen.

Technische Neuerungen sollten zudem nicht bestimmten Völkern zugeschrieben werden, sondern den Erfindern, die sie erdachten, und selbst da ist nicht immer alles astrein. Wusstest du, dass viele von da Vincis Zeichnungen von technischen Apparaten fast eins zu eins als dem Werk eines anderen, älteren Technikus abgekupfert sind? Mir fällt gerade der Name nicht ein ... - aber das ist die Crux, oder? Ob ein Name sich einprägt, sei es der eines Erfinders oder der eines ganzes Volkes, verdient oder nicht, obliegt oft dem Zufall der Geschichtsübermittlung. Objektives Wissen ist etwas anderes.


Mir fällt in diesem Zusammenhang immer das vielleicht allerbeste Star-Wars-Zitat ein: Luke Skywalker und Joda unterhalten sich über Lukes Vater. Luke weiß noch nicht, wer sein Vater wirklich ist. Er sagt:'Er war ein großer Krieger.' - Und Joda antwortet lapidar: 'Groß machen Kriege niemanden.' Das stimmt auch für ganze Völker.

Falls es dich interessiert: Das andere Zitat, das in mir um Platz 1 streitet, ist dieses: Prinzessin Leya Organa kommentiert die begeisterte Abstimmung des manupulierten Plenums der bewohnten Planeten, die Kanzler Palpetine (den heimlichen Sithlord) quasi die Rechte eines Diktators verleiht: 'So geht die Republik zugrunde - unter donnerndem Applaus!'. Passt auch irgendwie ...

Vielen Dank für deine Einlassung!  :)

LG, eKy
« Letzte Änderung: Oktober 30, 2026, 08:55:36 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Zur Größe von Völkern
« Antwort #3 am: November 02, 2026, 15:37:57 »
Das stimmt natürlich, lieber Erich. Die Kultur der unterworfenen Völker wurde häufig als Kultur der unterwerfenden Großmacht ausgegeben.

Danke deine interessanten Ausführungen.

LG g