Hi larin!
Wahre Worte. So vieles entscheidet der Zufall, dass es mich wundert, wie manche Menschen es dennoch intellektuell fertigbringen, der menschlichen Existenz einen tieferen Sinn im Universum unterzujubeln. Das Gehirn als Sinnsuchmaschine verbindet Punkte in einer Welt aus Chaos - und nennt es Ordnung, egal ob göttliche oder politische, philosophische oder emotionale. Der Mensch scheint das einfach zu brauchen, so wie das Kind die Mär vom Weihnachtsmann. Er ignoriert die Entropie, stellt ihr Glaube und Schaffenskraft entgegen, und scheitert letztlich doch an der eigenen Vergesslichkeit und Kurzlebigkeit.
Generation um Generation macht dieselben Fehler, kommt zu denselben dummen Schlüssen - wie oft schon hing die Welt am buchstäblichen seidenen Faden, bloß weil dumme Menschen auf dumme Menschen gehört haben?
Nun, du hast dein Gedicht sicher direkter gemeint, ohne meinen gesellschaftspolitischen Ballast - es zielt wohl auf unmittelbarere Lebensumstände, und wie hilflos wir ihnen gegenüberstehen. Nun, wie im Kleinen, so eben auch im Großen: Wir sind Ausgelieferte und bleiben es, egal wie sehr wir uns bemühen, das Universum zu ordnen. Und wo wir es doch mal annäherungsweise schaffen, wird es uns bald zu langweilig, erstickt es uns mit zu vielen Regeln und Einengungen - und wir rebellieren. Dabei schütten wir dann gern das Kind mit dem Bade aus und stellen uns freiwillig dem Chaos anheim, mit den sattsam bekannten Folgen.
Der seidene Faden der Geschichte, der seidene Faden des Einzelschicksals: Beständige Begleiter aller menschlichen Existenz.
Sehr gern gelesen!
LG, eKy