Autor Thema: Chronisch  (Gelesen 34 mal)

Copper

Chronisch
« am: Februar 10, 2026, 13:33:13 »
Jeden Morgen sterbe ich mich in den Tag hinein.
Jede Stunde hoffe ich es wird die letzte sein.

Tag zu Tag ein Weiterreichen
ausgelebter Zeitenleichen,
die nur Trauerreime singen.
Frohgesang will nicht gelingen.

Und wieder fällt ein Baum.
Das Herrchen schlägt den Hund.
Der Seele kümmerts kaum,
sie wird nicht mehr gesund.
« Letzte Änderung: Februar 11, 2026, 12:54:52 von Copper »

Erich Kykal

Re: Chronisch
« Antwort #1 am: Februar 10, 2026, 19:40:57 »
Hi Cop!

Gereimte Depression, Weltabkehr und Lethargie. Einner MEINER Kritiker hat mal zu einem ähnlichen Text von mir gesagt: Wer will sowas schon lesen, wenn es ihn doch nur mit runterzieht!?

Nun: So einer wie ich. Weil ich dadurch sehe, dass ich damit nicht allein bin.

Interessant die Abfolge immer kürzerer Zeilen:

S1(Zweizeiler) hat sieben Heber,
S2 hat vier Heber, und
S3 hat drei Heber pro Zeile.

Diese Verringerung untermalt schön die ausweglose Versandung aller Initiative, allen Wollens, noch etwas bewegen, verbessern zu wollen oder zu können.


Peanuts:

S2Z3 - wozu hat das 'singen' noch einen Bindestrich hintendran, wenn danach ein Komma folgt?
S2Z4 beginnt unbetont im ansonsten betont auftaktenden Gedicht. Altern.: 'Fröhlichkeit will nicht gelingen.'


Trotz schmerzlichen Inhalts gern gelesen!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Chronisch
« Antwort #2 am: Februar 10, 2026, 22:25:29 »
Lieber Copper,

ein Dahinsterben der Seele, dass schwer auszuhalten ist. Aber das Gedicht gefällt mir.

Liebe Grüße von gummibaum

Copper

Re: Chronisch
« Antwort #3 am: Februar 11, 2026, 13:13:08 »
Hallo Erich,
wer meist fröhlich und unbesorgt, gesund und fidel durch Leben geht, dem scheinen diese Zeilen fremd und auch nicht so recht nachvollziehbar.
Aber wie du schon geschrieben hast, es ist tröstend für jemanden, der beim Lesen dieser Zeilen einen Mitleidenden erkennt und vielleicht auch seinen eigenen Schmerz.
Ein Gedicht kann ein gemeinsames Schwingen vom Schreibenden zum Lesenden aufbauen. Das kann für Beide tröstend sein.
Denn wenn ich die richtigen Worte finde und diese in Zeilen und Reime forme, dann ist das sehr tröstend für mich. Eine Art Selbsterkenntnis die Wunden heilen kann.
Wieder ein großes Dankeschön für deine Hinweise und für Deinen Kommentar.

Hallo Gummibaum,
es freut mich, dass das Gedicht gefällt. Vielen Dank für Deinen Kommentar.
Ich fühle mich immer sehr geehrt wenn Du und Erich meine Zeilen kommentieren oder auch korrigieren.

Viele Grüße, Copper
 


« Letzte Änderung: Februar 11, 2026, 13:18:47 von Copper »