Autor Thema: Zwischen den Jahreszeiten  (Gelesen 17 mal)

Erich Kykal

Zwischen den Jahreszeiten
« am: Februar 12, 2026, 10:54:20 »
Kurz vorm großen Atemschöpfen,
an des Frühlings vager Pforte
starrt Natur ins eisig Blaue,
kontert alles Ungenaue
ohne eines Dichters Worte
in den aufgetauten Köpfen

derer, die ins Weite schmecken
nach des Winters klammer Enge
in den tagesdunklen Stuben.
Jene, die ihr Sein vergruben,
werfen nun es ins Gemenge
Aller, die ihr Wesen strecken.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Zwischen den Jahreszeiten
« Antwort #1 am: Februar 14, 2026, 01:16:50 »
Sehr poetisch, lieber Erich.

Schön, wie sich der Blick der Natur beim Fortgang des Winters klärt und weitet, wie ihre eingefroren Sinnesorgane erwachen und erste Eindrücke gewinnen und wie der Mensch diesen Prozess mitmacht. Das Gedicht erinnert an den Frühlingsspaziergang im Faust I. Toll das palindrome Reimschema, der lebendige Sprachfluss im ersten, der Natur gewidmeten Satz, der in zweite Strophe hinüberflutet. Auch die bildtragen Verben (schmecken, vergraben strecken), die darin an Adjektive heranreichen, sind klasse.

Mit Genuss gelesen.
Chapeau von gummibaum

p.s.: Ich war auch vom satten Grün und erdigen Geruch der Moose zwischen letzten Schneeresten im Wald gestern sehr angetan.

Erich Kykal

Re: Zwischen den Jahreszeiten
« Antwort #2 am: Heute um 01:26:35 »
Hi Gum!

Schön, ich fühle es dir in Gedanken nach. Meiner Krankheit geschuldet war ich seit Jahren nicht mehr draußen, außer um einzukaufen oder Ärzte aufzusuchen - für mehr hätte ich auch gar nicht mehr die Energie.
Fürs Tippen reicht's noch, aber mehr als 100 Meter zu gehen grenzt für mich schon an Leistungssport. Tempus fugit.

Vielen Dank für das vollmundige Lob. Leider sind solche Gedichte über die Schönheit der Welt selten bei mir geworden - das meiste, was ich noch schreibe, blafft die religiösen oder politischen Idioten dieser Erde an. O tempora, o mores!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.