Hi, Fridolin!
Eine bittere Wahrheit - gut geschüttelt!
Meine These: Drei Faktoren haben die klassische Lyrik als gesellschaftlich breitenwirksame Kunstform sabotiert:1) Die sog.
"moderne" Lyrik, die plötzlich nicht mehr reimen wollte, und die Sprache sollte auch nicht mehr harmonisch, melodisch, fließend und schön sein! Viele wandten sich ganz ab, weil ihnen der neue "Stil" nicht zusagte (oh wie gut kann ich das verstehen!

).
2) Die
Weltkriege. Die Menschen hatten währenddessen und die Jahre danach andere Sorgen als schöne Sprache! Viele lyrisch Interessierte starben, wanderten ab oder verloren das Interesse.
3) Die
modernen Massenmedien. Früher gab es weder Fernsehen noch Kino noch Internet noch Stereoanlage noch Radio, und Theater oder Oper waren selten leistbar für die Masse, auch für gebildete Schichten. Man beschäftigte sich - neben vielen anderen kulturellen Interessen und Tätigkeiten - gern mit Lyrik. Heute gibt es zuviel Ablenkung, zu viele Möglichkeiten - nur wirklich sehr Engagierte beschäftigen sich noch damit und führen ein entsprechendes Nischendasein.
Die alte Floskel "Land der Dichter und Denker", worin die Poeten sogar die Erstgenannten waren, klingt heute nur umso mehr wie blanker Hohn!

Sehr gern - und traurig zugleich - gelesen!
LG, eKy