Autor Thema: HeyHö Ihrs!  (Gelesen 113 mal)

Eisenvorhang

HeyHö Ihrs!
« am: Oktober 24, 2018, 14:39:35 »
Huhu,

hat doch noch geklappt, liebe Thing!

Nun schwemmten mich die Lyrik-Gezeiten auch hier her.

Nicht wirklich aktiv im Moment. Wollt nur kurz hallo sagen!

Mein Hund ist plötzlich gestorben und meine Mutter schwer erkrankt. Und noch paar andere Dinge, die ich aber öffentlich nicht näher Kund tun möchte (Beruf und Frau)...

- So ist wohl das Leben -

Trotzdem werde ich bald wieder da sein, sobald die Dunkelheit der Trauer sich gelichtet hat.
Ich grüße jeden hier in der kleinen Runde im Herbst!

Landschaft II

Der Herbst fegt wie ein Feuer aus dem Baume
die Farben, die in ihm verblichen glühen.
Dann steigt aus Wurzel, Ast, fast wie im Traume,
ein Angesicht aus Laub und Wind in frühen
Gestirnen und der Abend zog noch schwerer
in Gold gelassen zu den Göttern hin.

Die Klänge schwingen schwerer in die Nächte.
Im Lichte möcht ich groß gen Himmel gehen
und jeden Stern in Pfützen glitzern sehen...
Ob es die Linderung der Nacht wohl brächte?
Die Sonne zeigt sich mir wie ein Verehrer
und mahnt mir abends ahnend an: "ich bin."

vlg

EV

Sufnus

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #1 am: Oktober 24, 2018, 14:55:17 »
Ich bräuchte jetzt dringend einen großen Drehsessel und eine langhaarige weiße Katze!
=>
blosuf (sinister): "Ich habe Sie erwartet, Mr. Eisenvorhang!"  8)

Auf alle Fälle freu ich mich auf die eiserne Verstärkung! :)

Dir & Euch bessere Zeiten wünscht von Herzen
S.

... und zu Deinem schönen Einstandsgedicht (warum hast Du es eigentlich nicht separat eingestellt?) schreib ich auch gerne zeitnah was nach erfolgter gedanklicher Sortierung. :)

Eisenvorhang

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #2 am: Oktober 24, 2018, 20:29:40 »
Hi Sufnus,

Danke, schön von Dir zu lesen.

Vielleicht hätte ich das Gedicht seperat einstellen sollen.
Ich machte mir keine Gedanken. Wäre vielleicht besser gewesen!

:)

Nu denn, auf bald. :)

Seeräuber-Jenny

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #3 am: Oktober 25, 2018, 22:17:58 »
Hi Eisenvorhang,

herzlich willkommen!

Sorry, dass es mit der Anmeldung so lang gedauert hat, da ich verreist war.

Es tut mir sehr leid, dass du gerade so ne harte Zeit hast, und ich drücke dir die Daumen, dass mit deiner Frau alles gut wird.

Lieben Gruß
Seeräuber-Jenny
El sueño va sobre el tiempo
Flotando como un velero
Nadie puede abrir semillas
En el corazón del sueño

Camarón de la Isla

Eisenvorhang

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #4 am: Oktober 27, 2018, 15:22:43 »
Kein Problem Jenny.
Schön, dass es doch noch zur Freischaltung kam!

Vielen Dank für die Kraftwünsche!

vlg

EV

Sufnus

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #5 am: November 07, 2018, 17:53:03 »
Hi EV!
Hier nun noch meine Gedanken zu Deinem Gedicht (und darüber hinaus). :)
Ich schrieb schon, dass ich es *schön* finde :) und das unterschreibe ich gerne nochmal!
Du fügst hier eine Auswahl schöner und starker Wörter (Feuer, Baume (Dativ-e!), glühen, Wurzel, Traume (-e!), Angesicht, Gestirnen, Gold, Göttern usw.) zu einem Klang- und Formschwelgerischen Ensemble, wobei offenkundig das Augenmerk nicht auf einer narrativen Stringenz oder dem Rüberbringen einer "Message" liegt, es ist eher eine Mediation in Sprachschönheit.
Dieser Schreibansatz hat durchaus etwas narzisstisches... aber Achtung: nicht missverstehen und böse werden: ich meine damit keineswegs, dass Du als Autor selbstverliebt seiest, keineswegs!, sondern dass der Ton des Gedichtes, das "depersonalisierte lyrische Ich", sich in sich selbst spiegelt und in seiner Schönheit versinkt, wir hier also mit einer Schönheit konfrontiert werden, die sich selbst genügt, den Leser nicht umwirbt.
Bei eben diesem Leser kann das sicher polarisieren: mancher wird sagen: was ist denn das für ein unverständliches Geschwurbel, während andere (die Mehrzahl?) sich in den Sog den Wörter begeben und das Geschriebene genießen.
Ein weiterer Aspekt Deines Schreibens scheint mir zu sein, dass Du (so kommt es mir vor) bewusst nicht allzusehr nachfeilst, überarbeitest, umbaust und variierst (das klingt auch in Deinem Kommentar zu "Im Vorübergehen" an), wahrscheinlich, um dem Risiko eines Verlusts an Unmittelbarkeit und direkter Emotion zu entgehen.
Liege ich mit dieser Analyse richtig? Falls ja, ist das auf alle Fälle ein durchaus zielführender lyrischer Ansatz, den Du da verfolgst - ich würde ihn aber immer noch weiter mit anderen Stimmen aus dem großen Kanon abgleichen. Du hast Hesse genannt, und das ist jetzt meines Erachtens gerade ein Autor, der sich dem Leser stark zuwendet, um seine Aufmerksamkeit wirbt. Ganz anders als Rilke, der eher um eine autonome Schönheit ringt. Wie ist Dein Verhältnis zu komischer Lyrik? Eine Gattung, die in besonders hohem Maße zugewandt ist und auf die Lachmuskeln des Lesers zielt. Wie sieht es mit hermetischen Gedichten aus (manches von Celan, das meiste von Aichinger, einiges vom späten Goethe)? Was ist mit den Poeten der konkreten Dinge und Mitwesen, ob nun ein Stück Seife, der Girsch oder gefüllte Champignons (Jan Wagner)? Und wie steht es um die gesellschaftlich "engagierten" Dichter (vieles von Heine, einiges von Brecht, sehr vieles von Fried usw.)?
Nunja... ein paar Gedanken, die mich jetzt sehr weit von Deinen Zeilen weggeführt haben - aber ich denke, Du bist noch auf der poetologischen Suche, insofern regen diese Aspekte Dich vielleicht an?
Falls nicht.... nichts für ungut!  O0
« Letzte Änderung: November 07, 2018, 19:44:50 von Sufnus »

Eisenvorhang

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #6 am: November 11, 2018, 21:50:32 »
Hallo Sufnus,

zu komischer Lyrik habe ich kaum eine Verbindung, außer sie ist leicht verdaulich, wie jene von Kästner oder Erhardt.
Dort beginnt allerdings die Neigung sich zu ebnen.

Im Moment schreibe ich viel ad hoc, um genau das festzuhalten was du beschrieben hast.
Dadurch werden Dinge authentisch auf der einen Seite. Auf der anderen Seite, wird man dadurch auch besser. (Denke ich jedenfalls)
Mir fällt es auch schwer eine Woche an nem Sonett zu schreiben. Da bin ich schnell gereizt, liegt wahrscheinlich an meiner schlecht ausgeprägten Frustrationstoleranz, weil ich im Leben für Lernstoff oder eben Arbeit (Leistung) nie wirklich hart arbeiten musste. Was aber nicht gut war und auch nicht gut ist. Mir hat das aber nie jemand anders beigebracht.
Jetzt bin ich bald in der Mitte der Dreißig und begreife in Ansätzen was Geduld meint.

Unverständlich finde ich das Gedicht nicht.

Strophe 1: beschreibt eine Herbstlandschaft. (Ganz plump)

Strophe 2: beschreibt eine Daseinskrise [Ich bin]. (schwer schwingende Klänge -> Lebenstonus, Depression)

Gewollt sind die letzten zwei Verse: hier will ich Unklarheit.
Handelt es sich um eine Projektion oder ist und will die Natur das bleiben was sie ist - oder geht es hier tatsächlich um ein narzisstisches Defizit.
Die Sonne als Verehrer zu betrachten ist nicht nur anmaßend aber auch traurig zu gleich, wie einsam und allein sich das LI fühlen muss...
Also ja, du liegst vollkommen richtig!

Ich mag die Art von Lyrik, die ich lese und die etwas bewegt.
Ist es durch Sprache, durch Deutlichkeit, durch Klang, Einfachheit oder durch Undeutlichkeit und Komplexität. (Rilke Orpheus, Elegien oder Kästner)

Es gibt ein paar Sonette von Rilke beispielsweise, die sind derart abstrakt geschrieben, dass sie definitiv auf den zweiten Blick nicht das meinen, was die meisten Leser darin interpretieren.
In meiner Welt jedenfalls, vielleicht liege ich da auch vollkommen falsch. Viele denken ja, er wäre dem Glauben so unglaublich nah, immer im Einklang mit seiner eigenen glaubensrealität (daseinsformen).
Ich finde, dass viele seiner Gedichte Hohn beinhalten, Glaubens- und Kulturkritik, die von einem niedrigen Selbstwert durchzogen scheinen. Also nicht PRO Glaube, sondern das komplette Gegenteil...
Natürlich muss man auch die Zeit und seine Lebensumstände sehen und verstehen. Hochsensibel und die Kultur war damals hart, vor allem was Glaube betraf.
 
Auf der anderen Seite aber existiert eine zarte und ehrliche Weichheit, die in die Seele geht, welche durch meisterliche Eloquenz verwoben ist. Die entweder von brennenden Schmerz oder glühender Hoffnung geprägt ist. Und der hat halt auch nicht lang überlegt... Der war ein sehr schneller Schreiber, unglaublich intuitiv!

Selten liest man in der Lyrik Grauzone (Kästner ist da eine Ausnahme, den seine Gedichte sind extrem komplex, auch wenn sie wirklich schlicht geschrieben sind).

Hesse ja - ich mag durchaus Hesse. Vor allem als ich das Schreiben begann. Mittlerweile ist das abgeflacht.
Ich muss gestehen, dass ich kaum noch Gedichte lese, dafür aber viel schreibe.
Ich veröffentliche in Foren nur noch Gedichte, wo ich Unsicherheit empfinde.

Ja Sufnus, du bist ein kluger Kopf - so jemanden trifft man nicht oft.

Mit vielen Gedanken liegst Du richtig. Ist schon fast beeindruckend! (Nicht nur fast!)

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
Irgendwie finde ich das toll und es ehrt mich.

vlg

EV

« Letzte Änderung: November 11, 2018, 22:10:06 von Eisenvorhang »

Curd Belesos

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #7 am: November 18, 2018, 22:19:07 »
moin moin min leeve EV,

ick freu mi di to lesen und töv darop, wo ’t wiedergeiht mit di  ;D 8)

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Eisenvorhang

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #8 am: November 19, 2018, 17:41:28 »
Su schie diech ze sahhh, iesch wees fei ah net leever Curd ???

Curd Belesos

Re: HeyHö Ihrs!
« Antwort #9 am: November 19, 2018, 22:21:18 »
Kommt Zeit, kommt Rat  ::)  ;D
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch