Autor Thema: Die Drohne  (Gelesen 20 mal)

Erich Kykal

Die Drohne
« am: Februar 11, 2026, 11:05:59 »
Die Zukunft aller Herren Kriege sei
der ferngesteuerte, weil 'saubre' Tod.
Viel billiger als echte Fliegerei
färbt er die Erde doch genauso rot.

Man killt am Bildschirm heute ohne Reue,
als wär's ein gängiges Computerspiel,
als gäbe es der Leben endlos neue
für das ersehnte, so erreichte Ziel.

Das Sterben wird dabei so unpersönlich,
dass man sich nicht mehr dafür schämen muss.
Man darf verbissen sein und unversöhnlich,
ein echter Killer-'Gamer' bis zum Schluss.

Am Ende lässt am Joystick sich verdrängen,
was grausam ach so weit entfernt geschah,
wo die Gedärme in den Bäumen hängen.
Dem strammen Täter geht es nicht mehr nah.

Die Hölle ist zu einem Spiel verkommen,
die Leichen Punkte nur für den Gewinn -
es geht den Mann am Knöpfchen nichts mehr an.

Wir registrieren nur verschämt beklommen:
Was hat Gewissen noch für einen Sinn?
Der Tod ein bloßes 'Level up', fast simultan.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Copper

Re: Die Drohne
« Antwort #1 am: Februar 11, 2026, 12:36:07 »
Hallo Erich,

oh ja, du weckst in mir Kriegsromantik.
Was waren das für Zeiten. Mann gegen Mann. Damals starben oder überlebten noch echte Helden. Doch heutzutage? Wie unpersönlich!
Nicht mal Blickkontakt, nicht einmal der gleiche Himmel über dem Gemetzel, bei dem man gemeinsam, oder einsam stirbt.
Der Fortschritt kann so grausam sein.

Alles ein Scherz von mir, verzeih.

Dein Gedicht öffnet dem Leser die Augen. Durch diese Entfernung zum Geschehen, wird das Töten leichter.
Der Krieg gleicht einem Computerspiel.
All dieser Fortschritt nützt nur dem Kriegstreiber, also dem Bösen. 

Mit einem Hammer kann man einen Nagel in die Wand hämmern, oder auch töten.
Nicht der Hammer ist das Problem, sondern der Mensch.

Wird dieses unpersönliche, einfachere töten nun dazu führen, dass in Zukunft mehr Kriege entstehen?
Wenn dem so sei, sind gerade solche Gedichte sehr wichtig.

Du hast es auf den Punkt gebracht.

Ich dachte immer: 
In Bedrängnis und in Nöten, lässt es sich viel leichter töten.
Dein Gedicht weckt das Erkennen: Die Entfernung macht das Rennen.

Viele Grüße, Copper


« Letzte Änderung: Februar 11, 2026, 23:03:58 von Copper »

Erich Kykal

Re: Die Drohne
« Antwort #2 am: Februar 12, 2026, 00:59:24 »
Hi Cop!

Mit meinem Werk wollte ich natürlich nicht zum Ausdruck bringen, das 'persönliche' Gemetzel von Antike bis Schützengraben wäre irgendwie 'moralischer' oder gar edler! Der Krieg an sich ist ein barbarisches Unding - ich hatte gedacht, soviel wäre ohnehin klar.
Zum Glück weisen deine weiteren Zeilen darauf hin, dass du es schon richtig verstanden hast. Vielen Dank für den Zuspruch.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Die Drohne
« Antwort #3 am: Februar 12, 2026, 17:15:24 »
Lieber Erich,

ein Gedicht, dass zeigt, wie Krieg für den Aggressor zum Spiel geworden ist.
Vor Jahrhunderten schon machten Gewehre und Geschütze die Opfer anonym, aber es gab lange noch das Schlachtfeld mit den Gedärmen im Baum (Remarque: Im Westen nichts Neues). Selbst in einem nächtlichen Bomber musste der Pilot noch ums eigene Leben zittern. Damit macht die Drohne nun endgültig Schluss.
Und wer schon im Kinderzimmer Egoshooter gespielt hat, tut im Ernstfall später nichts anderes als einfach nur Pluspunkte sammeln. 

Sehr gern und mit Sorge gelesen.
LG g
« Letzte Änderung: Februar 12, 2026, 17:17:20 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Die Drohne
« Antwort #4 am: Februar 13, 2026, 11:56:08 »
Hi Gum!

Konservative Erziehung und Werte, Soldatenehre, Gehorsamspflicht, die Überzeugung, seinem Land dienen zu müssen, wie auch immer - es gibt viele Gründe, sich die Hände (und die Seele) schmutzig zu machen, ohne dass man zwangsläufig ein Idiot, ein Soziopath oder schlicht ein Arschloch sein müsste. Aber die gibt es leider auch in rauen Mengen ...  ::)

Die Pazifisten sterben scheint's aus, oder sie kriegen das Maul nicht mehr auf, weil nur noch die Mutigen sich das heutzutage noch trauen, vor allem in den Ländern, in denen bereits die Baseballschläger-Bullies mit den Springerstiefeln oder die neuen Autokraten am Ruder sitzen. Bei uns ist es eher noch Wohlstandsgleichgültigkeit oder der neugesellschaftliche Egoismus der sich selbst isolierenden 'Generation social media' auf der gnadenlosen Jagd nach selbstdefinierenden Klicks. Da bleibt keine Zeit mehr für breitenwirksam energisches moralisches Engagement ...

Wer baut noch den nötigen Staudamm, wenn die Welt den Bach runter geht?

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
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