Autor Thema: An Franz Emanuel August Geibel  (Gelesen 184 mal)

Curd Belesos

An Franz Emanuel August Geibel
« am: Januar 06, 2026, 15:53:56 »
Im Schatten der Türme erwacht seine Stimme;
die Stadt mit vier Toren und Speichern für Salz
vernimmt einen neuen, noch zart jungen Ton,
denn Lübeck erhält einen dichtenden Sohn,
der mit seinen Werken die Menschen erobert.

Er schrieb uns die Strophen „Der Mai ist gekommen“
beim Wandern mit Freunden zum Escheberg Schloss;
beschreibt so die Freude am Frühlingsbeginn,
wenn alles sich wandelt im göttlichen Sinn
und schafft eins der schönsten romantischen Lieder.

Doch zieht es ihn erst mal in südliche Sphären,
wo Sonne die Länder warm strahlend verwöhnt
und man unbeschwerter die Tage erlebt;
danach mit den Musen die Verse schön webt,
wenn Träume in Gondeln die Nächte durchgleiten.

In Hellas vertieften die Jahre sein Wissen
um attische Verse vergangener Zeit,
die er übersetzte mit bleibendem Wert,
für die man ihn heute noch lobredend ehrt,
da diese Gedichte als Kleinode gelten.

Den Zyklus der Lieder zum Pianoforte
als „Spanisches Liedspiel“ von Schubert vertont,
hat er in Iberien von Sängern erlauscht,
sie lyrisch in Sprache der Heimat getauscht,
so wie wir die Verse noch heute gern hören.

Es zieht ihn im Alter zurück in den Norden,
zur Küste der Ostsee, die er nie vergaß,
auch wenn er in fremdferne Länder gereist,
am Hofe von König und Fürsten gespeist,
bleibt er doch ein Mahner zur Pflicht und zur Treue.

Sein Sprichwort vom Golde, das klar wird im Feuer,
war Ruf eines Herolds politischer Art,
nach Kleindeutscher Lösung durch Fürsten gekürt,
ein einiges Deutschland von Preußen geführt,
doch ohne den Habsburg- und Liechtensteinadel.

Vom Schicksal gezeichnet, die Harfe am Boden,
verstummt dann am Ende der einst stolze Mund
des ewigen Träumers, der nie sich verstellt
und dem man in Lübeck den Lorbeerkranz hält,
als seiner Epoche erfolgreichsten Dichter.

Das Standbild in Lübeck, dem Denker zu Ehren,
zeigt tief ihn versunken, mit sinnendem Blick,
und manch einer denkt sich, wenn er von ihm spricht,
das, was er gegeben, vergessen wir nicht,
sein Glanz bleibt erhalten, trotz Staub vieler Jahre.

© Curd Belesos 14.11.2025
« Letzte Änderung: Januar 06, 2026, 16:51:53 von Curd Belesos »
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: An Franz Emanuel August Geibel
« Antwort #1 am: Januar 08, 2026, 10:30:42 »
Hi Curd!

Gut, dass es dich noch gibt!  :)

Schön, diese Eloge auf Geibel. Bisschen wenig Reime, aber das ist Geschmacksache. Wie kam's zu dieser Lobeshymne? Eine Auftragsarbeit - oder schlichte Begeisterung für diesen Menschen und sein Lebenswerk?

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: An Franz Emanuel August Geibel
« Antwort #2 am: Januar 14, 2026, 19:57:14 »
Moin Erich,  8)
eine "Auftragsarbeit" als Beitrag zu dem Thema "Menschen" in der "Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Autoren" als Prosa-Gedicht. Man trifft sich vierteljährlich in Aurich in Ostfriesland. (Ich sende dir eines der vorgetragenen Werke, das ich kommentiert habe, als persönliche Nachricht)
Danke, ja, es gibt mich noch nur etwas maulfaul, da ich mich nicht mehr so mit fremden Texten auseinandersetzen mag.
Die Pflege meiner kranken Frau, die Ende 2024 gestorben ist, hat mich viel Kraft gekostet. Doch ich habe in Ostfriesland Freunde gefunden, die mir viel bedeuten und sogar im letzten Jahr einen kleinen Gedichtband mit dem Titel "Wie schön kann früher Morgen sein" herausgebracht. Ein Exemplar geht dir in den nächsten Tagen zu. Achte auf das Postwertzeichen, es ist von 2025.  ::) ;D
Ich freue mich und grüße dich aus dem Land der hohen Deiche.
Curd
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: An Franz Emanuel August Geibel
« Antwort #3 am: Januar 15, 2026, 11:03:24 »
Hallo Curd!

Nachträglich mein herzliches Beileid zu deinem Verlust, sollte mir dieser bisher entgangen sein.

Vielen Dank für dein Buch im voraus. Ich werde heuer auch noch ein letztes Buch herausgeben, mit den Gedichten von 20-25.

Die einzige Nachricht, die ich erhalten habe, ist eine Betrachtung des Werkes 'Lebenslüge', allerdings ohne das Werk selbst. Meintest du das?

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: An Franz Emanuel August Geibel
« Antwort #4 am: Januar 28, 2026, 16:57:12 »
Lieber Curd,

du bist dem Dichter ja treu durch die Jahre seines Lebens gefolgt und hast für ihn sehr wohl gesetzte und ehrende Worte gefunden.

Ein schönes Werk.

Mit Genuss gelesen.
Grüße von gummibaum