Im Schatten der Türme erwacht seine Stimme;
die Stadt mit vier Toren und Speichern für Salz
vernimmt einen neuen, noch zart jungen Ton,
denn Lübeck erhält einen dichtenden Sohn,
der mit seinen Werken die Menschen erobert.
Er schrieb uns die Strophen „Der Mai ist gekommen“
beim Wandern mit Freunden zum Escheberg Schloss;
beschreibt so die Freude am Frühlingsbeginn,
wenn alles sich wandelt im göttlichen Sinn
und schafft eins der schönsten romantischen Lieder.
Doch zieht es ihn erst mal in südliche Sphären,
wo Sonne die Länder warm strahlend verwöhnt
und man unbeschwerter die Tage erlebt;
danach mit den Musen die Verse schön webt,
wenn Träume in Gondeln die Nächte durchgleiten.
In Hellas vertieften die Jahre sein Wissen
um attische Verse vergangener Zeit,
die er übersetzte mit bleibendem Wert,
für die man ihn heute noch lobredend ehrt,
da diese Gedichte als Kleinode gelten.
Den Zyklus der Lieder zum Pianoforte
als „Spanisches Liedspiel“ von Schubert vertont,
hat er in Iberien von Sängern erlauscht,
sie lyrisch in Sprache der Heimat getauscht,
so wie wir die Verse noch heute gern hören.
Es zieht ihn im Alter zurück in den Norden,
zur Küste der Ostsee, die er nie vergaß,
auch wenn er in fremdferne Länder gereist,
am Hofe von König und Fürsten gespeist,
bleibt er doch ein Mahner zur Pflicht und zur Treue.
Sein Sprichwort vom Golde, das klar wird im Feuer,
war Ruf eines Herolds politischer Art,
nach Kleindeutscher Lösung durch Fürsten gekürt,
ein einiges Deutschland von Preußen geführt,
doch ohne den Habsburg- und Liechtensteinadel.
Vom Schicksal gezeichnet, die Harfe am Boden,
verstummt dann am Ende der einst stolze Mund
des ewigen Träumers, der nie sich verstellt
und dem man in Lübeck den Lorbeerkranz hält,
als seiner Epoche erfolgreichsten Dichter.
Das Standbild in Lübeck, dem Denker zu Ehren,
zeigt tief ihn versunken, mit sinnendem Blick,
und manch einer denkt sich, wenn er von ihm spricht,
das, was er gegeben, vergessen wir nicht,
sein Glanz bleibt erhalten, trotz Staub vieler Jahre.
© Curd Belesos 14.11.2025