Autor Thema: Zwischen den Jahreszeiten  (Gelesen 191 mal)

Erich Kykal

Zwischen den Jahreszeiten
« am: Februar 12, 2026, 10:54:20 »
Kurz vorm großen Atemschöpfen,
an des Frühlings vager Pforte
starrt Natur ins eisig Blaue,
kontert alles Ungenaue
ohne eines Dichters Worte
in den aufgetauten Köpfen

derer, die ins Weite schmecken
nach des Winters klammer Enge
in den tagesdunklen Stuben.
Jene, die ihr Sein vergruben,
werfen nun es ins Gemenge
Aller, die ihr Wesen strecken.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Zwischen den Jahreszeiten
« Antwort #1 am: Februar 14, 2026, 01:16:50 »
Sehr poetisch, lieber Erich.

Schön, wie sich der Blick der Natur beim Fortgang des Winters klärt und weitet, wie ihre eingefrorenen Sinnesorgane erwachen und erste Eindrücke gewinnen und wie der Mensch diesen Prozess mitmacht. Das Gedicht erinnert an den Frühlingsspaziergang im Faust I. Toll das palindrome Reimschema, der lebendige Sprachfluss im ersten, der Natur gewidmeten Satz, der in die zweite Strophe hinüberflutet. Auch die bildtragenden Verben (schmecken, vergraben strecken), die darin an Adjektive heranreichen, sind klasse.

Mit Genuss gelesen.
Chapeau von gummibaum

p.s.: Ich war auch vom satten Grün und erdigen Geruch der Moose zwischen letzten Schneeresten im Wald gestern sehr angetan.
« Letzte Änderung: Heute um 09:59:52 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Zwischen den Jahreszeiten
« Antwort #2 am: Februar 15, 2026, 01:26:35 »
Hi Gum!

Schön, ich fühle es dir in Gedanken nach. Meiner Krankheit geschuldet war ich seit Jahren nicht mehr draußen, außer um einzukaufen oder Ärzte aufzusuchen - für mehr hätte ich auch gar nicht mehr die Energie.
Fürs Tippen reicht's noch, aber mehr als 100 Meter zu gehen grenzt für mich schon an Leistungssport. Tempus fugit.

Vielen Dank für das vollmundige Lob. Leider sind solche Gedichte über die Schönheit der Welt selten bei mir geworden - das meiste, was ich noch schreibe, blafft die religiösen oder politischen Idioten dieser Erde an. O tempora, o mores!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Zwischen den Jahreszeiten
« Antwort #3 am: Februar 15, 2026, 21:39:08 »
Lieber Erich,

ich verstehe, dass du in dieser Situation nicht glücklich bist und sie deine Themenwahl und deinen Ton beeinflusst. Hoffe, dass du dir dein Los mit kleinen Freuden ein wenig erleichtern kannst. Ich denke an dich.

LG g


Copper

Re: Zwischen den Jahreszeiten
« Antwort #4 am: Februar 19, 2026, 21:35:20 »
Hallo Erich,

ich habe auch schon bemerkt, dass Deine letzten Werke eher politisch und sozialkritisch sind. Was ich verstehe. Die momentanen Zustände in dieser Welt schreien danach.

Umso mehr freut es mich, wieder ein Gedicht von Dir lesen zu dürfen, wie dieses hier.
Auch die Reimfolge beeindruckt mich sehr. Ich habe beim Schreiben immer Probleme damit. Leider.
Denn diese Reimfolge swingt und hat eine schöne Melodie. Stimmungsvoll.

Der Übergang des Winters in den Frühling empfinden viele Menschen als Befreiung. Den Kranken und vor allem für jene Kranken die durch Ihre Krankheit deutlich beeinträchtigt sind, ist diese Gefühl leider nur in einem geringen Ausmaß vergönnt. Das kann ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Wenn die Natur erwacht und die Menschen wieder mehr Freude am Leben haben, wird einem dieses Hindern am Leben noch mehr bewusst.

Trotzdem, die Tage werden auch wieder für den Kranken länger und die wärmenden Sonnenstrahlen tun auch der Seele und dem Leib gut. Und die Augen können sich auch wieder an der Blütenpracht und an die Vielseitigkeit der Natur erfreuen. Vom 10 Meter Turm müssen wir nicht mehr springen können.

Ich wünsche Dir schöne Frühlingstage und viele erfrischende Momente für Leib und Seele.

Viele heilbringende Wünsche und Grüße, Copper
« Letzte Änderung: Februar 19, 2026, 21:41:06 von Copper »