Autor Thema: Die letzte Einsicht  (Gelesen 5977 mal)

Erich Kykal

Die letzte Einsicht
« am: August 12, 2016, 13:34:59 »
Erst wenn die Zeiger unsrer Lebensuhren
die letzte Stunde ihrer Zeit umarmen,
als wäre Sterben gnädiges Erbarmen
in einem Stück für Heilige und Huren,

darin wir alle Jahre, die wir zählen,
nur Puppen gleichen an geheimen Schnüren,
ein kurzes Gastspiel gebend nach Allüren
der Wünsche, die uns lenken oder quälen,

erkennen wir vielleicht die dunklen Bande,
um sie mit letzter Geste zu durchtrennen
und frei von Fesseln noch vom wunden Rande

des Daseins ungebunden zu betrachten,
was uns verbleibt: Ein klares Sicherkennen
vor einem unausweichlichen Umnachten.
« Letzte Änderung: November 14, 2020, 10:17:01 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Letreo71

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #1 am: August 12, 2016, 15:48:08 »
Hallo eKy,

gehe ich recht in der Annahme, dass dein Sonett in Anlehnung an Gummibaums Geschichte "Für Erna" entstanden ist?

Hab Gänsehaut bekommen, Hut ab! 8)

Herzliche Grüße

Letreo

Erich Kykal

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #2 am: August 12, 2016, 19:20:51 »
Hi Letreo!

Danke für deine Zeilen!

Nein, das ist eine zufällige Parallele. Ich bin schon seit geraumer Zeit so morbide drauf in meinen Werken, aber eigentlich nur dort, weil ich diese Gedanken dadurch abarbeite und dann auch genau dort hinter mir lasse. Psychohygiene in Versform sozusagen ...  ;) ;D

Danke für die Gänsehaut!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #3 am: August 12, 2016, 19:45:30 »
Hi Erich,

morbide würde ichs nicht nennen , eher schwer melancholisch  -
aber das darf schon mal sein, wenn man stückweise älter wird und an die Vergänglichkeit der Dinge gemahnt wird, weil Krankheiten und Todesfälle nun nicht mehr nur Menschen betreffen, die man kaum oder flüchtig kannte.

Plötzlich rücken diese Ereignisse näher an einen heran.

In besonderen Momenten der Rückschau kann man erleben, wie die Zahl der gelebten Jahre trotz ihrer Häufung auf ein minimales bissel zusammenschrumpft!
Ähnliches erlebte ich gestern: Da saß ich auf dem Gaisberg und blickte hinunter auf die Feste Hohensalzburg, die so erhaben und groß wirkt, wenn man von der Stadt aus zu ihr hochblickt - vom Berg aus betrachtet schrumpfte die gesamte Stadt zu einer Ansammlung von Spielzeugschachteln zusammen!
Ausgehend von diesem Anblick wanderte ich gedanklich durch meine Jahre und war dem Erkennen der Vergänglichkeit auch sehr nahe.
Aber das ist nichts Neues, das blitzte mir mit 7 zum ersten Mal auf und dann mit 13, mit 20, und dann immer wieder und wieder.


Unser Ich hält sich ja  für soooo wichtig -  aber wir sind doch nur wie die Ameisen auf dem Waldboden: Wir wuseln hin und her und wursteln herum.
Jedes Volk auf seinem Haufen.

Ein Grund mehr, bescheidener zu werden.

Was denkst du?

lG, larin

Ob der Tod uns wirklich frei(er) werden lässt - wer kann das schon wissen?

Zumindest Zahn - und Kopfschmerzern dürfen wir dann getrost hinter uns lassen. ;)


Erich Kykal

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #4 am: August 12, 2016, 21:06:56 »
Hi larin!

Wie schön, von dir zu lesen, du leider viel zu seltener Gast!  :)

Der Tod beschäftigt mich kaum - ich glaube ja nicht an ein Nachleben. Was mich vermehrt heimsucht ist der Gedanke an das Sterben, das womöglich langsame, ratenweise ...

Und dass man enden MUSS. Klar, hinterher ist es egal, so oder so - man ist irgendwo, wo's laut heiligen Büchern GAAAANZ toll ist ... oder man existiert schlicht nicht mehr.
Aber vorher IST man und will eben weiter SEIN ...

Leider erkennt man oft erst spät im Leben, wie unwichtig letztlich alle Wünsche und Begierden sind, wie wenig wesentlich sie sich meist nach ihrer Erfüllung erwiesen, wie viel Zeit man doch darauf verschwendete, weil man immer erst hinterher klüger war. Wie wenig Zeit bleibt da, die Einsicht, den inneren Frieden und die erlange Weisheit zu genießen!

Vielleicht können auch deshalb sich so viele nicht vom Gedanken an ein Weiterleben nach dem Tode verabschieden, obwohl so viele Wahrscheinlichkeiten dagegen sprechen: Weil sie glauben WOLLEN, dass all dieser Schmerz, all die kostbaren Erfahrungen daraus, all die Liebe und das Gute darin doch für etwas gut gewesen sein MÜSSEN: Das Sammeln von Zutaten für ein gewaltigeres Ganzes, das sich erst hinter dieser Grenze erschließt ...
Sie verweigern sich der Einsicht, dass das Universum nicht ihretwegen und nicht für sie existiert - gemessen an der Größe des Alls sind wir nicht mal erwähnenswerte Fußnoten in seiner Geschichte: Ein Stamm Bakterien an einer heißen Quelle, der vergeht, wenn die Quelle versiegt - welche Rolle spielt das für die Welt, das Sonnensystem, die Milchstraße, Galaxiencluster, Galaxienhaufen, Galaxiennetzstränge usw.?!
Sie kommen nicht mit der Vorstellung zurecht, dass all das Erlebte nur im kleinen und kleinsten Rahmen Bedeutung hat: Für einen selbst und jene, die einem zugetan sind.
Was du nicht an Kinder oder Enkel weitergibst, bleibt der Zeit verloren und vergeht mit dir.

Darum schreibe ich, wie ich es kann. Darum malt manch einer Bilder oder meißelt Skulpturen, wird Staatmann, Diktator, Terrorist oder Rockstar, Schauspieler oder Szeneluder!
Wir wollen nicht vergessen sein ...

Was natürlich nüchtern betrachtet eine ebensolche Illusion darstellt wie die "Ewigkeit" einer Religion, hier oder im jeweils kolportierten "Drüben"! Früher oder später ist ALLES vergessen, selbst die Menschheit und die Erde. Nichts spielt wirklich eine Rolle, vergrößert man den Dimensions- und Zeitrahmen nur nachhaltig genug.
Was also treibt uns an? Nur der Umstand, dass die meisten Menschen das (noch) nicht einsehen können oder wollen? Ein sich erst mit zunehmendem Alter abflachender Hormonspiegel, der für den Tatendrang der Jugend sorgt? Oder wirklich ein unsichtbares, unergründliches "größeres Ganzes"?

Wer weiß ... - aber natürlich bevorzugen bei solch einer Auswahl die meisten das "Wunder" ...

LG, eKy
« Letzte Änderung: Juli 17, 2020, 14:10:48 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #5 am: August 12, 2016, 23:57:41 »
Selbsterkenntnis erst in der letzten Lebensstunde, wenn man das Leben endlich loslässt. Und auch hier noch ein "vielleicht". Ein langes Satzgefüge kleidet den Kerngedanken ein und agglomeriert immer weitere Gedanken.

Tja: Pessimistische Sicht aufs Leben mit optimistischem Einlenken am Tor zum "Umnachten".

Sehr gern gelesen, lieber Erich.

LG g   

a.c.larin

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #6 am: August 13, 2016, 19:51:33 »
hi erich,

tja, was treibt uns an?
zum einen die lebenserhaltenden  bedürfnisse wie hunger und durst, atemnot, dann die arterhaltenden, die auch durch hormone gesteuert werden. als soziale wesen haben wir auch hier  bedüfnisse zu decken: nach zuwendung , kontakt, zugehörigkeit, anerkennung, status.
das belohnungszetrum im gehirn will immer wieder belohnt werden!
wobei das , was sich lohnt, individuell sehr verschieden gesehen wird.

als lebewesen mit selbst- bewusstsein fällt es uns allerdings sehr schwer, zu begreifen, dass wir dieses mühsam zusammengeschusterte "selbst", das zentrum unseres denkens, irgendwann einmal aufgeben müssen. kann man ja auch verstehen - immerhin gäbe es kein verstehen der welt ohne unser allzeit denkendes selbst.
überspitzt formuliert könnte man behaupten, die welt existiert erst, seit es wesen gibt, die sie als eine als solche erkannt haben.
worüber man nichts weiß oder nichts denken kann, das existiert nicht (zumindest nicht  in der eigenen wahrnehmung)


in unserem eigenen erleben aber "waren wir schon immer".
( weil wir das gezeugt- und geborenwerden ja nicht bewusst mitbekommen haben. wir wissen ja auch nicht, wie es sich anfühlt, nicht zu sein, also, wie sollte es dann vorstellbar sein?).
wie sollte also etwas, das "schon immer" da war, zu ende gehen?
umso größer der schock, wenn wirs dann doch begreifen.

möglicherweise stammt daher unsere vorstellung/ wunsch eines "ewigen" gotttes?
so nach dem motto: wenn schon nicht ich, dann doch wenigstens du!
wer weiß!
es ist jedenfalls nicht so blöd erfunden, irgendwie doch psycho - logisch, denke ich,  egal ob man nun dran  glaubt  oder nicht.

dass man dann aber irrwitzige schnörksel darumgerankt hat, wie man dahin gelangt, eintrittsberechtigungen -oder verbote verteilte, das ist wieder typisch menschliches vormachtsgehabe!
wenns den  schon was superiges gibt/ gäbe, dann dürfen das gewiss nicht alle haben, dann muss das schon " mir" gehören oder " den meinigen", den "unserigen" usw....

sprich: das alte affenhirn verteilt die  super- banane immer noch  lieber ans eigene genom - da hat sich nix geändert seit urwaldzeiten.
so sind wir eben gestrickt.

und irgendwann wir die strickerei aufgedröselt und das universum macht aus den grundbausteinen was ganz anderes.

also ich find das nicht weiter schlimm. besser, von uns bleibt nix ( oder nur ganz wenig) - dann haben die nach uns nicht so ein gwürgs mit der entsorgung! daher werde ich mich ( platzsparend) auch einäschern lassen. dünger für die felder, wenn das erlaubt wäre!

und dass irgendjemand, der mich nicht gekannt hat, meinen namen lernen muss, nur weil er in einem geschichtsbüchel drinnen steht,
das fände ich eine zumutung! ich hatte meine zeit, ich  muss mir nicht auch noch die nach mir krallen!

vergessen werden tut nicht weh, wenn man tot ist.
ich denke, vergessen zu sein tut nur den lebenden weh!

tot sein ist überhaupt schmerzfrei.
das ist wahrscheinlich auch der einzige vorteil, den es hat.

ansonsten ist jedes wesen, das lebt, ein evolutionssieger - denn es hat den weg vom nichts zum etwas geschafft.
und das ist ein meilenstein.

über den sollten wir uns eigentlich freuen, so oft und so viel wir nur können.
alles andere ist zeitverschwendung.

carpe diem!

lg larin





Erich Kykal

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #7 am: August 13, 2016, 20:34:25 »
Hi Larin!

Du sagst: "ich hatte meine zeit, ich  muss mir nicht auch noch die nach mir krallen!"

Darin liegt die Crux - viele hatten eben nie das Gefühl, "ihre Zeit" gehabt zu haben in ihrem Leben, warum auch immer. Die vertrösten sich dann mit der Vorstellung vom Ruhm der Nachwelt.

LG, eKy

Ich bin meist zu faul, meinen dies zu carpen ...  ;) ;D ::)
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #8 am: August 14, 2016, 09:24:35 »
hi erich,

hast recht, manche kriegen nie genug, aber das liegt wohl an ungestillten
bedürfnissen, die am grunde der "seele" ( was immer das ist) wurzeln.

warum werden manche so (macht-)gierig? warum wurde es hitler?
was motiviert einen franz fuchs, einen anders breivik, einen dschihadisten?
mann will was gelten - und wenns nicht im guten geht, dann halt im bösen!

ich kann mir nicht helfen: doch der unbedingte wunsch, bedeutsam zu sein, ist was zutiefst männliches.

leben frauen ihren frust , ihre gier anders?

auf jeden fall weniger verheerend, wenn man so den lauf der geschichte betrachtet.

ich denke wirklich, dass es hoch an der zeit wäre, ein schulfach "lebenskunst und krisenbewältigung"( oder so ähnlich) einzuführen.

die menschen wollen immer nur siegen - aber eigentlich sollten wir eher lernen, wie wir verluste und enttäuschungen bewältigen.

denn in jedem leben gibt es welche, und es geht nicht immer nur nach unserem schädel.

männer wollen das aber nicht so leicht akzeptieren.

ist der wunsch nach vorherrschaft an  ein chromosom gebunden? Dann wärt ihr männer, evolutionär bdingt, ein wenig mehr in die zwangsjacke gesperrt.
es wäre eine erklärung - sicher aber keine entschuldigung.

die sache mit der faulheit nehm ich dir nicht ganz ab, nicht bei der menge an gedichten , die du schreibst.

(faulheit ist übrigens auch ganz vernüntig , das kann man auch sich "energieeffizienz" nennen!  ;)

lg, larin


Erich Kykal

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #9 am: August 14, 2016, 12:09:18 »
Hi larin!

Die meisten Attentäter oder Gotteskrieger sind überzeugt davon, zu den "Guten" zu gehören.

Die Islamisten, weil die Kampfschrift Koran die Tötung der Ungläubigen, so sie die Verbreitung des wahren Glaubens behindern, eindeutig verlangt und als Gottes Werk mit Belohnung im Paradies erklärt. Einiges im Koran ist reine Hetzpropaganda gegen Anders- oder Nichtgläubige, intoleranteste Entwertung und Erniedrigung aller, die nicht muslimisch sind. (Ähnlich so übrigens in der Bibel ...)
Wäre der Koran nicht religiös, sondern politisch, er wäre hierzulande längst verboten, ähnlich wie "Mein Kampf". Hitler hat wenigstens nach einer aus seiner Sicht "logischen" Erklärung für die Minderwertigkeit anderer Rassen, von der er überzeugt war, gesucht - der Koran hingegen postuliert es schlicht als Allahs Willen, das reicht schon.

Gehört so eine aggressive, nicht integrationswillige Religion - zumindest in der Auslegung der Fanatiker - wirklich zu Europa, wie manche Politiker es preisen? Ich denke nicht.

Aber auch unsere Wahnsinnigen denken grundsätzlich, dass sie Gutes tun, aus ihrer verbogenen Weltsicht heraus. Ihre Motivation mag Hass sein, angelernt oder wegen erfahrener Demütigung, aber sie rechtfertigen ihr Handeln vor sich (und später vor der Welt) damit, im Grunde etwas für andere damit zu tun: die Gesellschaft aufrütteln, ein Beispiel geben, usw...

Nur ganz wenige sadistische Psychopathen zelebrieren ihr Handeln als "das reine Böse" und genießen die Macht, die sie aus ihrer Soziopathie für sich ziehen. Meist sexuell abnorme Triebtäter. Aber selbst diese machen oft erst nach ihrer Verhaftung davon Aufhebens, um Sensation und Aufmerksamkeit zu gewinnen und sich überlegen zu fühlen, wenn sie die Gesellschaft zum Gruseln bringen. Kontrolle und Manipulation ist alles für diese Kerlchen ...


Die Männer sind sicher zum Teil genetisch auf Sieg getrimmt, weil es entwicklungsgeschichtlich von Vorteil war, aggressiv und dominant zu sein, vor allem in den meist patriarchalisch orientierten Gesellschaften und Kulturen. Also hatten fordernde, aggressive Männchen einfach die besseren Fortpflanzungschancen. Auf lange Sicht wirkt sich das  natürlich auf das Genom aus.
Zum Glück machen die individellen Lebensumstände einer Person und deren Prägungen einen wahrscheinlich noch größeren Teil der Persönlichkeit aus.
Jetzt denkt man vielleicht : Kommen Vernachlässigung oder gar Grausamkeit gegen Kinder mit einer entsprechend emotionsgehemmten Genomstruktur zusammen, dann haben wir (oft - selbst dann nicht unbedingt und immer) den Salat! Dann gibt es Hitlers und Kindermörder ...
Fakt ist aber, dass auch in augenscheinlich gesunden Familien und nach ganz "normalen" Kindheiten sadistische Psychopathen entstehen und heranwachsen.
Genaues weiß man einfach noch nicht ...


Von wegen Faulheit: Das ist es ja gerade! Dichten ist nicht anstrengend für mich, es ist eher eine Erholung, ein nützlicher Zeitvertreib zur Seelenhygiene und Gewinnung von Ansehen. Es macht mir keine Mühe, nur Spass. Und ich muss mich dafür nur geistig bewegen ...  ;) ::)


LG, eKy
« Letzte Änderung: Januar 02, 2023, 23:35:50 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #10 am: August 14, 2016, 13:57:30 »
und wo steht geschrieben, dass man sich unbedingt anstrengen MUSS?

ich halte spass für legitim, vor allem, wen er niemand anderem schadet.

jemand, der für sich selbst, mit sich selbst spass hat, ist eine wohltat für die welt. ( der rest versucht immer, die anderen zu irgendetwas zu überreden). sicher, wenn man fussballspielen möchte , ist es wohl unabdinglich, ein wenig überzeugungsarbeit zu leisten....


ich denke auch, das es entwicklungsgeschichtlichen druck in richtung dominanz geben muss - in einer welt, in der fressen und gefressen werden vorherrscht, geht das wohl nicht anders.
krokodile fressen ihre eigenen kinder, wenns drauf ankommt.
bärenväter töten auch die eigenen jungen, damit die bärin wieder willig wird. wie nett!
die natur hat sich da schon einige "grausame" varianten ausgedacht, scheint nicht zu stören, so über die jahrmillionen hinweg betrachtet....

religion kann komische blüten treiben.
immer dann, wenn es um "zusammenhalt um jeden preis" geht. die wölfe zeigen es vor: wehe, es verbeißt sich wer in den rudelführer!
muslim ist nich gleich muslim. kommt immer drauf an, wie man den koran auslegt.
es gibt ja auch stellen, in der bibel, die nicht ganz astrein sind.
das liegt daran, dass diese bücher vor jahrhunderten entstanden sind - und da war die haudrauf-mentalität noch weit verbreitet.
drum war ja war "halte die rechte backe hin" so spektakulär.
funktioniert halt trotzdem nicht immer.

ich sag immer: es kommt auf den menschen an, wie etwas verwendet wird.

man kann auch mit einem buttermesser schaden anrichten, wenn mans drauf anlegt.

warum auch in "gesunden" familien krankes entsteht, könnte man entweder mit den mendelsschen gesetzen erklären( sprung über zwei generationen, durch rezessives gen) oder  mit systemischen verstrickungen, wo nachgeborene themen wieder aufgreifen, die im unbewussten des familiensystems kursieren. da wissen wir längst noch nicht so genau , wie das geht.

da auch immer wieder neue katastrophen, schicksalsschläge und traumata passieren, hat der "teufel" ein reiches betätigungsfeld.....
manches braucht jahre, bis es herausbricht.
wie soll man das vorhersehen?
wie sollen wir wissen, wer-  wann - wie seinen dachschaden verheerend auslebt?

können wir nicht wissen, genausowenig wie wir erdbeben oder auch nur das wetter genau vorhersehen können.
es gibt anzeichen und indizien , aber eben nie gewissheit.

es ist auch viel einfacher, einen baum umzusägen, als ihn wachsen zu lassen.
wer also keine geduld hat und den raschen erfolg braucht, wählt bestimmt die erste methode. >:(

zur ehrenrettung der männer muss man aber jetzt mal sagen: es gibt auch  viele von ihnen, die die geschicke der welt und ihrem leben eine produktive, positive ausrichtung gegeben haben! ( sollten wir nicht vergessen, bei allem gejammer über das, was nicht funktioniert.)

ein dankeschön also an alle jene , die den mühsamen weg eingeschlagen haben, den, der nicht hinschlägt, sondernden, der beim aufstehen hilft.
und danke an all jene, die sich im sinne des ganzen vorwärts bewegen! ( geistig, seelisch oder sonstwie).

ich denke, wir werden vorankommen, drei schritte vor, zwei zurück - so wie das meer, dass gegen die felsen anbrandet.

lernen ist ein (leider manchmal mühseliger) prozess - und besonders das emotionale vorankommen vollzieht sich nur in langwierigen wellenbewegungen.

ob das der bauart unseres gehirnes geschuldet ist, weiß ich nicht, wäre aber möglich.

das stammhirn als ältester teil, schaltet halt im notfall auf die "alten" überlebensprogramme zurück - und dann werden wir wolf, krokodil oder was auch immer.

zumindest die, die nicht dagegen ankämpfen.

die menschwerdung ist zwar eine 60.000 jahre alte geschichte - aber evolutionsgeschichtlich betrachtet ist das rein gar nichts.

wir können aber nur in 60, 70 jahrhythmen denken, das ist unser problem!

also wird das "affentheater" noch eine ganz  weile so weitergehen, denke ich... O0

lg, larin
« Letzte Änderung: August 14, 2016, 14:01:39 von a.c.larin »

Erich Kykal

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #11 am: August 14, 2016, 19:19:58 »
Hi Larin!

Ich gebe dir recht, in der Bibel, vor allem im AT, steht auch viel genozider Müll und von Gottes Strafe für die Ungläubigen usw. - aber zusammengenommen prozentual weit weniger als im Koran. Zudem ist die Bibel quasi durch das Neue Testament geläutert und relativiert worden, wie nicht zuletzt auch durch Jahrhunderte des Fortschritts seit der Aufklärung und ihrer Trennung von Staat und Religion.

Im Islam gibt es all das nicht. Der Glaube IST der Staat, der Koran das Programm. Hast du ihn je gelesen? Manches davon strotzt vor Intoleranz, Menschverachtung, rigidester Regulierung, drakonischster Strafen und Aufrufen zu Verachtung und Gewalt gegen Kritiker, Sünder, Frauen und Ungläubige. Diktatorisch, totalitär, gnadenlos - dagegen ist Hitler's "Mein Kampf" eine harmlose Werbebroschüre!

Wie soll man so eine mittelalterliche Kampfschrift "liberal" deuten können? Indem man das verlangte Gemetzel und all die Grausamkeiten überliest? Die Sklaverei, die Erniedrigung von Frauen und Kindern zu quasi rechtlosem Besitztum, sowie Aller durch das geforderte fünfmal tägliche symblische Füßeküssen ihrer gestrengen Gottheit im Kotau gen Mekka, die Scharia und ihr herzloses Diktat - diese ganze perfekte Anleitung zur Unterdrückung und Dummhaltung der Menschheit!?

Ich sehe es so: ALLE religiösen Bücher sind Mumpitz (bis auf die positiven Regeln für ein geordnetes Miteinander, die sie frech okkupiert haben, als könnte es kein Gesetz, keine Moral ohne die mahnenden Zeigefinger ihrer Götter geben!) - aber der Koran ist die schlimmste Verirrung von allen! Er entrechtet und erniedrigt ALLE Menschen - diejenigen, die ihn befolgen, gerade dadurch, und alle anderen, indem er sie für wertlos erklärt und zu deren Tötung aufruft, mitsamt Frauen und Kindern.

Und weil die Mehrheit der Menschen nicht erkennen kann oder erkennen will, wie unfrei sie wirklich ist, geht - wie du sagst - der Affentanz immer weiter ...
Einen Grund, sich großflächig umzubringen, ist immer rasch gefunden - und ist es nicht Gottes Wille, dann eben der irgend eines echten Idioten ...  ;D >:D ::)
« Letzte Änderung: Mai 16, 2026, 11:56:21 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #12 am: August 15, 2016, 17:52:26 »
Erst wenn die Zeiger unserer Lebensuhren
die letzte Stunde ihrer Zeit umarmen,
als wäre Sterben gnädiges Erbarmen
in einem Stück für Heilige und Huren,

darin wir alle Jahre, die wir zählen,
nur Puppen gleichen an geheimen Schnüren,
ein kurzes Gastspiel gebend nach Allüren
der Wünsche, die uns lenken oder quälen,

erkennen wir vielleicht die dunklen Bande,
um sie mit letzter Geste zu durchtrennen
und frei von Fesseln noch vom wunden Rande

des Daseins ungebunden zu betrachten,
was uns verbleibt: Ein klares Sicherkennen
vor einem unausweichlichen Umnachten.


UND WAS BLEIBT MIR ZU SAGEN,
angesichts dieses Sonetts?
Daß ich trotz der tiefen Melancholie, die in allen Versen steckt, doch die Schönheit noch mehr fühle.
Es gibt ja doch keine Worte, die das ausdrücken könnten.
Ich stelle es mir vorgetragen vor -

Halbtrunkene Grüße
von
Cypi





Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #13 am: August 15, 2016, 18:17:24 »
Hi Cypi!

Die sprachliche Schönheit ist der tiefste Sinn der Sache, wenn es um Lyrik geht, finde ich. Inhalte sind austauschbar wie menschliche Stimmungen und Launen - aber das Gedicht selbst bleibt bestehen: Ein kleiner funkelnder Edelstein der Sprache, verloren in der Zeit, ein Weilchen weitergetragen von jenen, die ihn schätzen.

Darum geht es.

Vielen Dank für deine unverbrüchliche Begeisterung! Ich schwelge in deinen Lobesworten ...  :)

LG, eKy
« Letzte Änderung: August 16, 2016, 02:15:55 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Die letzte Einsicht
« Antwort #14 am: August 15, 2016, 20:47:17 »
Was sonst könnte ich Dir schenken?

Immer:
Cypi
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte